[Bericht] Frankfurter Buchmesse und BuCon 2026

[Bericht] Frankfurter Buchmesse und BuCon 2026

Die Messe als Lernort mit kulinarischen Möglichkeiten, der BuCon als Ort salbungsvoller Zusammenkunft und eine Buchpremiere mit der Erkenntnis, noch als Autorin durchzugehen.

Eine Woche ist inzwischen seit meinem Besuch von FBM und BuCon vergangen. Eigentlich hätte dazu das traditionelle Logbuch erschienen sollen, es ist zu ¾ geschrieben. Aber je mehr Tage ins Land gegangen sind, desto mehr war da das Bedürfnis, lieber über einzelne Themen zu sprechen, anstatt jede gegessene Pommes zu beschreiben. Und so finden wir uns an diesem Punkt wieder.

Die Messe genießend

Ich höre von Autorenkolleg*innen oft, dass sie die Frankfurter Buchmesse vor allem als Pflichtprogramm im Businesskontext betrachten, das sie gerne ausfallen lassen, wenn keine Termine anstehen.

Nun steht außer Frage, dass die Messe anstrengend sein kann. Für mich ist sie aber jedes Jahr ein Highlight, auf das ich mich Wochen vorher freue – selbst wenn ich am Abend vorher womöglich sage, dass ich viel lieber Kürbissuppe essen und Filme schauen würde. Ich betrachte die Messe dabei als eine Mischung aus Arbeitsveranstaltung, Weiterbildungsangebot und Entdeckungs- bzw. Unterhaltungsreise, mit wechselndem Schwerpunkt je nach Ausgabe.

Manchmal mäandriere ich zwischen den Terminen umher und lasse mich vom Geschehen überraschen. Da ich in diesem Jahr nur den Freitag hatte, bin ich aber brav den Veranstaltungskatalog durchgegangen. Die Bandbreiten an Vorträgen, Paneldiskussionenen und Interviews ist groß. So habe ich dieses Mal zum Beispiel einen Einblick in tschechische Dystopien erhalten, erfahren, dass Fantasy den drittgrößten Anteil am thailändischen Buchmarkt ausmacht (nach Romance und Thrillern) oder mich über die Entwicklung der türkischen Migrationsliteratur informieren können.

Außerdem schaue ich mir gerne die Standdesigns an, vor allem in den internationalen Hallen. Die sind ein angenehmer Ruhepol gegenüber den Ständen der deutschsprachigen Publikumsverlage oder der in diesem Jahr Romance / New Adult gewidmeten Festhalle; beides habe ich zu den Stoßzeiten gemieden, solange ich nicht mit anschließendem Flammlachs geködert wurde.

Apropos: Selbst kulinarisch weiß ich die FBM inzwischen zu schätzen. Ignoriert die Restaurants drinnen, die Stände auf der Agora bzw. im Freigelände sind der Place to be! Selbst mit meinen eingeschränkten Ernährungsmöglichkeiten werde ich da glücklich und die Preise sind für Messeverhältnisse weitgehend in Ordnung. Ausgenommen der Cappuccino, der einen aber ins Leben zurückbringt.

Oh, diese meine Nische

Messe ist aber ja nicht nur Weiterbildung und Vermarktung, sondern zugleich ein Hort der Hallos und des Wiedersehens. Noch mehr gilt das für die abendlichen Partys und vor allem für den BuCon.

Literatopia-Judith hat in ihrem Bericht vor ein paar Tagen geschrieben:

„Menschen wie ich“ trifft es aber auch in diesem Jahr perfekt, es ist einfach schön unter Phantast*innen zu sein. Alle wissen, wovon man redet, man muss nichts groß erklären, denn wir leben an diesem einen Tag im gleichen Paralleluniversum und wenn wir dort sind, spürt man gar nicht dieses ganze Jahr, das bereits wieder vergangen ist.

Im Prinzip kann ich das nur unterschreiben.

In den letzten Jahren fühle ich mich manchmal, als würde ich die Phantastikszene mehr von oben als von der Mitte aus betrachten. Ich hüpfe nicht mehr jedes Wochenende über einen Con, veröffentliche keine zwei Artikel pro Monat mehr und denke mir bei mancher Diskussion, dass wir sie doch schon zehnmal geführt haben. Szenesoziologisch ist das die typische Ü30er-Entwicklung, einhergehend mit den ersten grauen Haaren und der sich einschleichenden Überzeugung, früher sei alles besser gewesen. Manchmal hilft dieses Wissen, manchmal verstärkt es den Eindruck nur. Jedenfalls gibt es durchaus Abende, an denen ich mich frage, warum ich mich an ein achtseitiges Essay setze, anstatt einfach einen Film anzumachen und mich ins Bett zu chillen.

Aber dann kommen diese im Grunde aus der Zeit gefallen wirkenden Szeneveranstaltungen, auf denen man schon am Eingang gegen einen Wall aus Schweiß läuft, die Pommes nicht ganz ausgebacken sind, man im fluiden Kreis stehend herumjammert, dass es nicht genug Sitzmöglichkeiten gibt, und damit genau da ist, wo man sein möchte. An diesem Ort, an dem man Leute trifft, die man seit Monaten nicht gesehen hat, von denen man teils nicht mal die bürgerlichen Namen kennt, und sich doch unterhalten kann, als sei man nie fort gewesen.

Es gab durchaus andere Jahre; in denen ich mich fehl am Platze gefühlt habe, vom BuCon heim bin und mir dachte, jo, eine Pause wäre mal in Ordnung. Dieses Jahr dagegen bin ich – ein paar Unsicherheitsmomente hin oder her – mit dem Kopf voller Ideen heim, von denen ich mich jetzt frage, wann ich die Zeit finden soll, sie alle umzusetzen. Messe-/BuCon-Aftermath as it should be.

Still writing

Dieses Jahr war nun aber auch ein bisschen besonders, weil frisch zum BuCon „In Bernstein gebannt“ aus der Druckerei kam. Auf der Messe habe ich es zum ersten Mal in den Händen gehalten. Nun mag ich biased sein, aber ich finde, Hannah hat da in ihrem Brosch Verlag ein sehr schönes Buch herausgebracht. Also so optisch. Inhaltlich überlasse ich das Urteil anderen, zum Beispiel dem Fantasyguide, aber persönlich mag ich’s, was vermutlich eine gute Basis ist.

Auch was das Autorendasein angeht, habe ich in den letzten Jahren ziemlich gehadert und mich gefragt, ob es überhaupt noch jemanden interessiert, wenn ich einen Roman veröffentliche. Mein letzter eigenständiger Roman, „Die Türme von Eden“, ist 2020 erschienen und, seien wir ehrlich, ziemlich gefloppt. Als E-Book ist er noch verfügbar, als Print ist er aber schneller aus dem Verkauf gegangen, als die Messen nach Corona wieder starten konnten. (Wobei Leute immer mal wieder Prints im regulären Buchhandel entdecken, hm.)

Entsprechend dachte ich jedenfalls, ich säße bei der Lesung auf dem BuCon im klangvollen „Raum hinter der Bühne“ mit Glück mit vier Leuten da. Aber jo, der Raum war voll?! Leute saßen auf dem Boden?! Okay, es war glaub ich der winzigste Raum aufm Con, er dient normalerweise wohl als Ankleidekammer. Aber hey, volles Haus ist volles Haus! Ich werde davon eine Weile zehren. Nee, also mal ernsthaft: Als ich abends im Bett lag und den Tag Revue passieren lassen hab, war ich ziemlich gerührt davon, wie viele aufgetaucht sind. Es wird einem immer vermittelt, man gerate in Vergessenheit, wenn man nicht alle paar Monate ein neues Buch herausbringe. Es ist nett, zu erleben, dass man in unserer Nische offenbar nicht so schnell in Vergessenheit gerät. (Oder, falls doch, trotzdem Leute kommen.)

Übrigens ist „In Bernstein gebannt“ nicht die einzige Veröffentlichung von mir, die zum BuCon herausgekommen ist: Sandra Baumgärtner und Fabienne Siegmund haben „Das Tee-Orakel“ herausgegeben, eine feine kleine Anthologie mit Kurzgeschichten von Teelänge. Mit dabei mein „Love Me Sencha“, ein cozy Science-Fiction-Streiflicht, das zu schreiben mir viel Spaß gemacht hat. (Die Idee basiert übrigens auf einem Traum; das sind immer die besten.)

Zudem wurde auf dem BuCon „10 Jahre Herbstlande“ gefeiert, selbst wenn die dazugehörige Anthologie mit entsprechenden Märchen erst später herauskommt. Leider hatte das Panel eine leichte Überschneidung zu meiner „In Bernstein gebannt“-Lesung und ich hatte Hemmungen, verspätet in den Raum zu gehen. Daher bin ich nur zum Ende schnell zum Klassenfoto vorbeigehuscht. Rückblickend ärgere ich mich allerdings, nicht früher hineingeschlüpft zu sein, da das Panel ja zugleich eine gewisse Hommage an Torsten Low bedeutet hat. Der aber auch an anderen Stellen auf dem Con präsent war – und es sicher weiterhin sein wird.

Autor*innen und Künstler*innen der Herbstlande. U. a. Timo Kümmel, Stephanie Kempin, Fabienne Siegmund, Markus Heitkamp, Iva Moor, Oliver Plaschka, Christina Löw, Alessandra Reß
Einige der Herbstlande-Beteiligten beim „Klassenfoto“

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So endet dieser vergleichsweise salbungsvolle Rückblick. Fühlt sich ein wenig seltsam an, so unkritisch zurückzuschauen. Aber was soll ich sagen. Es war ein anstrengendes und sehr entspannendes (verlängertes) Wochenende. Weiter geht’s am kommenden Wochenende in Wetzlar und Koblenz!

Berichte aus den letzten Jahren: 2025, 2024, 2023, 2022

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