Herbstansichten 2026
Eine Ausstellung über afrikanische Comics, ein neuer phantastischer Buchladen, Gedanken über Originale, Lesereisen und vieles mehr.
In den letzten Wochen war so viel los, dass ich beinahe die Herbstansichten vergessen hätte! Dass sie noch rechtzeitig fertig werden glaube ich zwar nicht – aktuell ist der 30. Oktober um 22.24 Uhr – aber let’s try …
Umtriebe
Wir beginnen zur Abwechslung in eigener Sache. Denn am 8. Oktober ist „In Bernstein gebannt“ erschienen! Da es nach der ganzen Arbeit schade wäre, wenn das niemand mitbekommt, bin ich ein wenig umhergegondelt und habe das Buch *** promotet ***. Zwei Wochen nach Premienlesung und -verkauf stand zunächst eine Lesung zum Tag der Bibliotheken in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar an. Die Besucherschaft dort reichte zwar nicht an den BuCon heran, aber ich fand es schön, in dem Zuge mal wieder durch die Bibliothek streifen und in verschiedene Bücher hineinlesen zu können. Hab nun zum Beispiel Genki Kawamaras „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ auf meinen imaginären SuB gepackt; die ersten Seiten klangen sehr vielversprechend.
Sonntags ging es mit Stand vom Brosch Verlag und Lesung auf der Koblenzer Buchmesse weiter. Vom Andrang von 2024 konnten wir zwar nur träumen, aber mit dem Hinweis, dass „In Bernstein gebannt“ quasi in Koblenz spielt, ließen sich einige vom Buch überzeugen.


Links in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, rechts auf der Koblenzer Buchmesse.
Die Veranstaltungsphase eingeläutet hatte ich allerdings bereits Ende September, als ich beim Kreativwochenende „Die Welt des Schreibens“ im Schloss Engers einen Einführungsvortrag zur Phantastikszene gegeben habe. Mit sechs Personen im Publikum war selbiges überschaubar, dafür aber interessiert.
Generell war die Veranstaltung, die zum ersten Mal stattfand, in Sachen Teilnehmeranzahl ausbaufähig. Auch hätte ich mir mehr Abwechslung im Programm gewünscht, etwa Speeddatings oder vielleicht sogar eine Führung durchs Schloss und die umgebende Altstadt. Insgesamt sicher ein solider Start, für die Zukunft ist Luft nach oben.
Auszeichnungsreigen
Wider Erwarten gab es auch Events ohne meine Beteiligung. Zum Beispiel den ElsterCon, wo der DSFP überreicht wurde oder die Wetzlarer Tage der Phantastik, wo der städtische Phantastikpreis an Wieland Freund übergeben wurde (mehr zu beidem in den Sommeransichten).
Über Frankfurter Buchmesse und BuCon habe ich zwar bereits berichtet, aber noch nicht über die dort verliehenen Auszeichnungen: Auf der Frankfurter Buchmesse hat PAN e. V. die Gewinnerinnen der aktuellen Stipendiumsausschreibung gekürt, nämlich Lotti Berger (für „Kalle & Knickebein – Spukortreiniger“ / Kinderbuch), Viktoria Lubomski (für „Baba Young – Nur der Tod lebt für immer“), Nath Nitsch (für „Leicht entlammbar“ / Debüt) und Ina Elbracht mit Hanna Königshofen (für „Große Stadt, was nun? Gräfin Żabkas unverzichtbarer Ratgeber für die berufstätige Koboldin“ / Roman).
Darüber hinaus wurde auf der FBM der erste RABBIT Award für Romantasy vergeben. Hier machten das Rennen Anna Knopf mit „What the Night Hides“ (Bestes Debüt), Saskia Louis mit „How to Fight Fate“ (Roman), Alessia Gold mit „In The Shadows We Wait“ (Sonderkategorie „Dunkle Liebe“) und Sarah Scheumer mit „Herz aus Moos und Schatten“ (Sonderauszeichnung).
Auf dem BuCon wiederum ehrte man Bernd Perplies und Reinhard Rauscher.
Phantastische Ausflugsziele
Eine Veranstaltung anderer Art habe ich im Spätsommer besucht: Bis 30. August lief hier die kurzweilige Comic-Ausstellung „Sheroes“ im Weltkulturen Museum (FfM), die die weiblichen (Super-)Heldinnen von Kunstschaffenden aus verschiedenen afrikanischen Ländern in den Fokus gerückt hat. Ein Großteil der Beispiele war dabei Fantasy und Science Fiction zuzurechnen, z. B. Beserat Debebes „Zufan“ oder Charity Atukundas „The Strange Tree“. Neben den Comics konnte man einschlägige Games testen, Kurzfilme anschauen oder im Leseraum schmökern.



Stehen gerade keine Veranstaltungen an, man möchte aber trotzdem in phantastische Offline-Umgebungen eintauchen, gibt es eine zuletzt wachsende Anzahl entsprechend fokussierter Läden. Frisch kam etwa „Der Bücherdrache“ in Regensburg hinzu.
Fell, Elben und Senioren
Und auf dem Weg in Bus oder Bahn hat man gegebenenfalls Zeit, all die Artikel nachzuholen. Zum Beispiel den der Tagesschau über Furries und die Eurofurence – im weiten Sinne auch eine Unterszene der Phantastik.
Wer sich lieber mit Tolkien beschäftigt, kam hier zuletzt mindestens zweimal auf seine Kosten: Auf ND Aktuell ging es um weltanschauliche und politische Vereinnahmungen von „Der Herr der Ringe“. Der Beitrag lohnt vor allem, weil er sich (trotz Überschrift und Teaser) eben nicht allein auf die Liebe der Neurechten zu Tolkiens Werk fokussiert. Vielmehr wird auch der Einfluss auf die Hippie-Kultur beleuchtet, was letztlich zeigt, dass Vereinnahmung in der Regel weniger eine Sache des Werks selbst, sondern seiner Interpretation und Rezeption ist.
Frank Weinreich wiederum hielt auf den diesjährigen Tolkien Tagen eine Rede zu „Warum Tolkien lesen?“, deren Verschriftlichung auf seinem Substack erschienen ist. Wie dabei schon im zweiten Satz hervorgehoben wird, geht es zumindest im ersten Teil des umfassenden Texts nicht so sehr explizit um Tolkien, sondern mehr darum, weshalb man generell zum Original greifen sollte. Womit quasi der Ursprungstext gemeint ist, d. h. es gelten nicht einmal Übersetzungen, zumindest verstehe ich es so. So weit reicht meine Verehrung für die Originale nicht per se, ich halte das mehr für eine Frage des Expertentums. Aber dass die Originale einen besonderen Zugang bieten, sollte einleuchten. Persönlich hege ich außerdem große Sympathien dafür, sich der jeweils urhebenden Personen und des Originals zumindest bewusst zu sein. Was in Social-Media-Zeiten oft genug schon Herausforderung genug darstellt.
Raucht einem hiernach der Kopf und braucht man etwas fürs Herz, ist man möglicherweise gut mit einem Beitrag der Washington Post über eine Freundesgruppe D&D-spielender Senior*innen beraten. Allerdings liegt er hinter einer Paywall.
Space und Orks
Abschließend möchte ich den Lesenden dieses Beitrags Rebecca Haars monatlichen Newsletter Popkulturwissenschaft ans Herz legen, worin sie SFF-Popkultur aus kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet. In der aktuellen Ausgabe vom 12. Oktober ging es dabei beispielsweise um 60 Jahre Star Trek.
Da nun schon der 3. November angebrochen ist, beschließe ich den Herbstblick hiermit. Und wende mich der aktuellen phantastisch! zu, die kürzlich hereingeflattert kam. Wobei neben meinem Laptop gerade eine Ausgabe aus 2024 liegt. Damals ging es um Orks …
Man liest sich!