Winteransichten 2026

Winteransichten 2026

Neue Imprints und Verlagsabschiede, sagenhafte Ausstellungen und Theater mit Androiden, Grimdark und LitRPG, Auszeichnungsnominierungen und jede Menge Einhörner: die Winteransichten.

Der Januar hat sich verabschiedet und hier im Rheintal werden die Feenanblicke wieder alltäglicher (Karneval). Zeit also, sich den Winteransichten zu widmen.

Start der Awardsaison: ESFS Awards und Österreichischer Phantastikpreis

Damit niemand sagen kann, es überlesen zu haben, direkt zu Anfang der Hinweis: Die deutsche Nominierungsphase zu den ESFS Awards läuft aktuell. Jeder kann Vorschläge einreichen. Ja, auch du! Einfach im Formular mit Begründung einreichen, der Vorschlag kommt dann (sofern es wie im letzten Jahr abläuft) ins Voting auf scifinet.org (wo sich ebenso weitere Informationen finden). Je mehr sinnvolle Vorschläge, desto mehr Relevanz bringt die Nominierung für Deutschland mit sich. Und noch einmal die Erinnerung: Veröffentlichungen und Akteure aller Phantastik-Subgenres sind möglich, nicht nur aus der Science Fiction. Wenngleich letztere aufgrund des Votings im Genreforum die besseren Chancen haben. Die Frist für die Vorschläge endet am 6. Februar.

Da das geklärt ist, ein Blick ins Nachbarland: Die Nominierungen für den Österreichischen Phantastikpreis wurden bekanntgegeben. Auf der long Longlist finden sich 29 Titel, darunter z. B. Stefan Cernohubys „The Deniables: Gestohlene Vergangenheit“, Nicole Doyles „Veidinia und das Kreuz in der Walnuss“ oder Stephy Köchels „Drachendrama“.

Verlags- und Jahrbuchnews: Piper, Dark Empire Verlag, Hirnkost und Das Science Fiction Jahr

Neuigkeiten gibt es auch aus der Verlagswelt: Piper verlegt ab sofort die deutschsprachigen Erstausgaben von Red Tower Books sowie Mayhem Books und führt dafür zwei neue Imprints ein: Red Tower x Piper spricht mit seinem Romantasy-Programm Lesende ab 18 an, während Mayhem x Piper ohne expliziten Spice auskommt und sich an Lesende ab 16 richtet. Los geht es im Juni mit Elisa Kovas „Dragon Cursed“ bei Mayhem x Piper.

Der Dark Empire Verlag hingegen hat nach fünf Jahren sein Ende für den 31. März angekündigt.

Turbulent bleibt die Lage rund um den Hirnkost Verlag. Zum Jahresende 2025 hat dieser Insolvenz beantragt. Nun wäre Hirnkost nicht Hirnkost, wenn nicht Möglichkeiten zur Zukunft des Verlags weiterhin ausgelotet würden, und überhaupt muss eine Insolvenz nicht das Verlagsende bedeuten. Über den aktuellen Stand, z. B. hinsichtlich des Wiederauflebens einer Genossenschaft, wird regelmäßig im Newsletter informiert. Neuerscheinungen können derzeit nur via Crowdfunding „erworben“ werden.

Hirnkost war zuletzt die Heimat von Das Science Fiction Jahr. Dessen Redaktionsteam hat bekanntgegeben, das Jahrbuch einzustellen. Schade, aber verständlich. Die Arbeit daran war eine Mammutaufgabe für die Beteiligten bei schwindendem Absatz. Ich freue mich, wenigstens in der finalen Ausgabe noch vertreten gewesen zu sein und denke gleichwohl mit Wehmut daran, wie ich im Utopie-Panel des SF Jahrs auf dem vergangenen BuCon meinte, es sei hoffentlich nicht meine letzte Beteiligung gewesen. Well.

Draußen wartet Phantastik: Superhelden im Museum, Cyberpunk im Theater

Auf besagtem Utopie-Panel hatte ich u. a. über Solarpunk gesprochen. Zu diesem Thema habe ich in der letzten Woche einen eigenen Blogbeitrag online gestellt, worin ich vor allem meine Schwierigkeiten mit dessen dominanter Ästhetik anspreche. Ich gehe aber auch auf die Solarpunk-Ausstellung ein, die bis zum 18. Januar ihre Tore im Dortmunder U geöffnet hatte.

Es war nicht die einzige phantastische Ausstellung in den letzten Monaten. Beispielsweise wurden in Freiburg die „Zukunftsbilder 2045“ ausgestellt und das Museum Barberini bot bis zum 1. Februar Einblicke rund ums Einhorn.

Diese Ausstellungen sind nun zwar vergangen, aber wer Lust auf einen phantastischen Museumsbesuch hat, kann an vielen weiteren Orten fündig werden: Ein bisschen Proto-SF findet sich noch bis April in der „Expedition Weltmeere“ in der Bundeskunsthalle. Surreal wird es aktuell im Max Ernst Museum Brühl mit Marianna Simnetts „Headless“. Das Mittelrhein Museum widmet sich bis 1. März den „Gestalten der Nacht“, das Stadtmuseum Andernach lokalen Sagen. Das Historische Museum der Pfalz betrachtet sowohl Superheroes als auch den kleinen Drachen Kokosnuss. Und das ist nur eine Auswahl hier aus der Gegend!

Fotografie von mehreren Bildern, die frühe Tauchvorgänge illustrieren, angelehnt an Jules Verne
Einblick in die Ausstellung „Expedition Weltmeere“

Ausstellungen sind nicht dein Ding, aber rauszukommen wäre schon mal schön? Die Dramatische Bühne Frankfurt hätte dann „Blade Runner“ im Angebot, in Bochum widmet sich die Reihe phantastisch! All Tomorrow‘s parties verschiedenen Stimmen aus Literatur und Wissenschaft. Das Konzept entstammt übrigens Michael Wehren, (ehemaligem) Redaktionsmitglied von Das Science Fiction Jahr.

Online wartet Phantastik: LitRPG, weird girls und Grimdark

Leuten zuhören ist ja okay, aber bitte lieber daheim auf der Couch? Da verweise ich auf zwei Talks mit meiner Beteiligung: Im November habe ich an der Talkrunde Talkien 31 teilgenommen, worin ich mit Kolleg*innen über LitRPG, Game Lit und Artverwandtes diskutiert habe.

Um es auseinanderzufriemeln: LitRPGs sind die Bücher mit den Gaming-Statistiken. Game Lit spart sich die Statistiken und erzählt eine Geschichte im Game-Setting – so wie „Spielende Götter“. Progression Fantasy wiederum muss sich nicht um Games ranken, hat jedoch ähnlich wie LitRPG eine klare Figurenentwicklung im Fokus. Dann gibt es noch interaktive Spielebücher, Einzelrollenspiele und schließlich Romane, die auf Rollenspielen (oder anderen Shared Universes) basieren. Nicht im Talk erwähnt wurde Isekai, das wäre die Anime-/Manga-Variante von LitRPG oder Game Lit.

Im Anschluss an diesen Talk hat mich Lew Marschall zu einer Folge seines Flunschcasts eingeladen. Gesagt, getan, und so sprechen wir in der aktuellen Ausgabe des Video-Podcasts u. a. über Subgenres und Szenen, Mainstream und Nischen und die Frage, wann es sich als Autor*in lohnt, ein Label für sich zu nutzen.

Screenshot aus einem YouTube-Video mit Splitscreen, links Lew Marschall, rechts Alessandra Reß
Was habe ich mal in einem Gespräch gesagt?
Das erfahrt ihr im Podcast! Gibt’s u. a. auf YouTube und Spotify.

Wenn ihr lieber anderen Leuten zuhört: Das Magazin p.m. hat sich in den vergangenen drei Monaten u. a. der Frage gewidmet, wie realistisch Science Fiction ist, oder woher Einhörner kommen. (Was geht eigentlich grad mit Einhörnern?! Ich hab denen übrigens mal einen Artikel auf Tor Online gewidmet.)

Apropos. Das mit der Couch ist die richtige Richtung, aber du möchtest lieber lesen? Na schön. Ganz viel Lesestoff bietet die neueste Ausgabe des Online-Zines PHANTAST, dieses Mal mit dem Thema „Gottheiten“. Die Tagesschau hat einen Blick auf weird girl fiction geworfen. Peter Schmitt schrieb auf Skalpell & Katzenklaue möglicherweise über die Geburtsstunde des Grimdark, auf jeden Fall aber über Glen Cooks „The Black Company“. Und Alter veröffentlichte „The Secret History of Indian Science Fiction“ (zu dem Thema findet ihr auch etwas auf diesem Blog).

Zur Verabschiedung noch ein Hinweis auf eine zunächst unschöne, dann aber doch nette Nachrichtenmeldung um den Fantastic Store in Mannheim: Nach Ladendiebstahl: Fans retten Mannheimer Comic-Laden „Fantastic Store“.

Habt eine gute Zeit!

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